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Kulinarische Reiseerinnerungen – Tunesien


Wie ich schon in einem früheren Beitrag berichtet habe, bringe ich mir gern Souvenirs von meinen Reisen mit, die ich im Alltag auch gebrauche. Dazu gehört eine Tajine, die ich aus Djerba (im Handgepäck) unversehrt bis Berlin transportiert habe.

Im Folgenden berichte ich über das Kochen mit diesem „Zaubertopf“:
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Keramik auf Djerba Foto: (c) ReiseLeise

Souvenirs, Souvenirs!

Souvenirs als Erinnerung

Souvenirs sind für mich ein absolutes MUSS! Wenn ich unterwegs bin, suche gern in lokalen kleinen Geschäften, auf Märkten etc. nach regional typischen Dingen, die ein Stück vom Alltag des jeweiligen Landes widerspiegeln und auch bei mir zu Hause nicht in einer Vitrine „ausgestellt“ werden. Es muss sich in meinen Alltag eingliedern können und benutzt werden.

Prospekte, Flyer, Eintrittskarten und ähnliches landen doch, trotz guter Vorsätze, später ein Reisetagebuch zu basteln, mit böser Regelmäßigkeit im Papierkorb oder wenigstens in einem Karton. Also belaste ich mich damit immer weniger.

Woran ich aber selten vorbeikomme, ist Gebrauchskeramik – und die schleppe ich dann notgedrungen auch tapfer im Handgepäck von einer Reiseetappe zur nächsten mit! Im Folgenden ein paar Episoden über ganz besondere Souvenirs:
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Wo der (rosa) Pfeffer wächst…


Bei meinem Aufenthalt auf Djerba wohnte ich in einem der Mitarbeitergebäude des Clubs – kleine Häuser etwas abseits des Clublebens. Und das war auch gut so. Dort arbeiten wo andere Urlaub machen, klingt verlockend, doch spätestens nach einer Woche sehnt man sich nach einem ruhigen, abgeschiedenen Platz, um dem lebhaften Treiben zu entgehen und abzuschalten. Animateure haben lange Arbeitstage… Aber alles in allem doch für eine gewisse Zeit ein toller Job!

Ich konnte meinen Arbeitsplatz auf verschiedenen Wegen erreichen: entweder über das Hauptgebäude, wenn ich sowieso erst einmal zum Essen gehen wollte bzw. „hinten herum“ nach einer Pause oder wenn ich mal wieder etwas zu spät aus dem Bett gekommen war.

Auf beiden Wegen kam ich an Bäumen vorbei, die doldenartige rosa-rote Früchte trugen. Ein irgendwie bekannter Duft lag in der Luft, aber ich konnte diesen zunächst nicht klar einordnen.

Pfefferbaum, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Pfefferbaum, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Bei einem Abendessen war das Menü genau mit diesen Dolden und einigen Blättchen dekoriert. Ich tat sie zur Seite bevor mich meine Tischnachbarin darauf hinwies, dass es sich dabei um sehr schmackhaften rosa Pfeffer handelte. Aha! Jetzt war mir auch klar, wonach es in der Nähe der Bäume so herrlich duftete. Wahrscheinlich waren es als Zierpflanzen angepflanzte brasilianische Pfefferbäume, zumindest nehme ich das an, wenn ich Bilder vergleiche.

Ich probierte also vorsichtig, denn was Schärfe betrifft, bin ich ein echtes Weichei! Umso überraschter war ich, wie fruchtig und mild diese frisch geernteten Kügelchen schmeckten. Einfach herrlich!

Seitdem spazierte ich regelmäßig an den Bäumen vorbei und sammelte ein, was an reifen Fruchtdolden auf dem Rasen landete. Abpflücken wollte ich nichts, aber auch durch das Aufsammeln bekam ich nach und nach einen kleinen Vorrat zusammen, den ich bis zu meiner Abreise trocknen ließ und in einer kleinen Papiertüte dunkel aufbewahrte.

Pfefferdolden, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Pfefferdolden, Foto (c) C.Kerlikowski

Pfefferkörner, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Pfefferkörner, Foto (c) C.Kerlikowski

 

 

 

 
Die Farbe variiert von rosa über rot-orange bis rot, immer jedoch schmecken sie fruchtig mit typischem Pfefferaroma ohne die brennende Schärfe eines schwarzen oder weißen Pfefferkorns. Da sie frisch sind, sind die Körner noch weicher, und beim Drauffbeißen entwickelt sich eine geschmackliche Sinfonie… Jaja, ich war einfach begeistert!

(Die Schale rechts ist natürlich auch aus Djerba – Gebrauchskeramik mit dem typischen Berber-Dekor.)

Sehr gut ist dieser Pfeffer ungemahlen in Fleisch- und Fischgerichten zu verwenden – einfach großartig in Bratensoßen oder im Gulasch, aber auch in vegetarischen Zubereitungen.

Hier ein veganes Rezept – schnell und sehr lecker (für 1 Person):

1 mittelgroße Möhre
1 kleine Zwiebel
1 kleine oder 1/2 mittelgroße Zucchino

1 Esslöffel Olivenöl
2 Esslöffel fruchtige Sojasoße
1 Teelöffel Rosa Pfeffer
50 ml alpro Soya cuisine oder für Nicht-Veganer: Sahne)
Kräuter der Provence (TK)

Die Möhre grob raspeln, die Zwiebel würfeln, den Zucchino in Streifen schneiden. Beides im Olivenöl andünsten, die Sojasoße hinzufügen, 5 min bei mittlerer Hitze weiter garen. Zucchino und den Pfeffer zugeben.

Das Ganze weiter dünsten und dabei gut umrühren. Darauf achten, dass der Zucchino bissfest bleibt.

Sahne oder Soja cuisine hinzufügen und leicht einkochen lassen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Dazu: Pasta oder Basmati-Reis

Man kann diesen Pfeffer auch in Deutschland kaufen. Den aus dem Supermarkt habe ich ausprobiert – ist nix. Weder im Duft noch im Geschmack auch nur annähernd mit dem zu vergleichen, den ich aus Nordafrika mitgebracht habe. Wie sollte er auch?

Besser ist es, in arabischen Fachgeschäften oder im Internet bei Spezialisten nachzufragen.

Ich habe neulich eine 130g – Dose von Wiberg gekauft. Beim Öffnen der Dose kam sofort der typische Duft, das Aroma ist auch sehr gut. Natürlich bleibt da  ein Unterschied zum frisch geernteten Pfeffer, aber immerhin.. ein Kompromiss bis zur nächsten Reise!

 

Abenteuer Landpartie – mit tunesischen Verkehrsmitteln nach Cap Bon


Außer auf Djerba habe ich auch in Nabeul gearbeitet und hatte sogar zweimal die Möglichkeit ein wenig in die arabische Kultur einzutauchen, interessante Gespräche zu führen und ganz viel Neues zu lernen.

Wenn man in einem Ferienclub arbeitet, hat man in der Regel nur einen freien Tag pro Woche  und den gilt es zu nutzen!

So entschieden Jenny, die Praktikantin für einen Sommer, und ich, gemeinsam auf Tour zu gehen. Nach Karthago wollte sie nicht – sind doch nur haufenweise Steine zu sehen. Und das mir als verhinderte Archäologin! Naja – stimmt schon. Ich dachte mir, nach Karthago komme ich bestimmt auch noch ein anderes Mal und aufgrund der warmen Temperaturen war es sicher gescheiter, Richtung Meer zu fahren, als in der Gluthitze durch ein museales Ruinenfeld zu wandern.

Wir wollten nach Cap Bon – den nördlichsten Zipfel von Tunesien. Dort sollte es sehr schön sein und auch die Punischen Steinbrüche, die u.a. das Material für viele berühmte Bauten der Antike geliefert haben, waren eine Reise sicher Wert.

Soweit schon  mal gut, blieb nur noch die Frage nach dem Beförderungsmittel. Es gibt am Ort eine Bimmelbahn, aber irgendwie hatten wir keine Lust auf heiße Zugabteile mit gackernden Hühnern und fröhlichen Touristen. Die Frau des Clubchefs meinte, wir sollten doch ganz einfach eine Louage nehmen, die wäre preiswert und wir kämen schnell ans Ziel.

Wir sind beide noch nie mit so einem Kleinbus unterwegs gewesen und das roch förmlich nach einem Abenteuer – und etwas mulmig war uns schon. Gesagt, getan – ab nach Nabeul zum Bahnhof. Dort starten auch die Louages in die verschiedensten Richtungen.

Echt lustig – auf einem Platz standen etliche Kleinbusse, am Eingang des Carrés saß ein alter Mann und fragte uns auf arabisch nach unserem Reiseziel. Gut, den Ort zu nennen, war noch kein Problem. Zunächst wollten wir nach Kelibia. Dort sollte es eine interessante Burg geben. Mit viel Palaver suchte der Opa lautstark nach dem passenden Gefährt und letztendlich landeten wir im (hoffentlich) richtigen Bus: Platz für ca. 8 Personen, hinter dem Schaltknüppel eine Holzkiste, die mit einem Vorhängeschloss versehen war. Später erkannten wir: das ist die Kasse – tja, man kann nie vorsichtig genug sein. Wir zahlten unserem Obolus, der beschämend gering war – 8 Dinar (knapp 4€) für eine Stunde Fahrt, so genau weiß ich das gar nicht mehr.

In der Louage Foto (c) C.Kerlikowski

In der Louage Foto (c) C.Kerlikowski

Mit den Abfahrtszeiten muss man es nicht so genau nehmen. Irgendwann geht es los. Dasselbe trifft auch für Haltestellen auf der Strecke zu, man muss schon sichtbar dort stehen und warten und hoffen, dass noch mal eine Louage vorbeikommt. Taxis gibts aber auch genug, also kommt man immer irgendwie weiter.

So zuckelten wir gen Kelibia. Es ist schön, dabei die Gegend anzuschauen, obwohl wir zwei europäischen Frauen doch etwas beäugt wurden – Exoten in der arabischen Welt. Das machen nicht viele, aber man sollte es mal probieren. Wie in einem „richtigen“ öffentlichen Verkehrsmittel gab es unterwegs ein Kommen und Gehen. Meist waren es junge Männer mit Laptops (jaja, auch in Nordafrika ist man sich der Vorzüge des Internets wohl bewusst) und Ehepaare auf Shopping-Tour.

In Kelibia angekommen, wurden wir zunächst von einem leichten Regenschauer überrascht. Trotzdem spazierten wir Richtung Hafen und besuchten als einzige Gäste um die Mittagszeit ein Restaurant auf einen kleinen Imbiss. Von dort aus trabten wir langsam und ganz entspannt Richtung Burg. Wie fast überall in der Nähe von Burgen ging es auch hier stramm bergauf, bis wir an einer Weggabelung ankamen. Genau an dieser Gabelung saß ein alter Mann, gemütlich eingerichtet mit Tisch und Stühlchen und fragte, ob wir die Festung sehen wollten oder ins Café möchten. Ein Café?? Hier ?? Ich hatte in meinem Reiseführer (Michael Müller Verlag) gelesen, dass es in der Nähe ein kleines Café mit dem schönsten Blick auf die Bucht geben soll… es wird doch wohl nicht…? Aber das konnte ich mir kaum vorstellen. Weit und breit waren weder ein Café noch ein Wegweiser zu sehen.

Also erst mal auf die Burg. Es ist ein imposantes Gebäude und von dort aus gibt es einen fantastischen Blick auf die Umgebung inklusive der Bucht mit türkisblauem Wasser. Hier einige Fotos:

Foto (c) C.Kerlikowski

Foto (c) C.Kerlikowski

Festung Kelibia Foto (c) C.Kerlikowski

Festung Kelibia Foto (c) C.Kerlikowski

Kelibia-3Festung Kelibia (c) C.Kerlikowski

Kelibia-3Festung Kelibia (c) C.Kerlikowski

Kelibia-3Festung Kelibia (c) C.Kerlikowski

(c) C.Kerlikowski

Foto (c) C.Kerlikowski

Foto (c) C.Kerlikowski

Blick von der Festung Foto (c) C:Kerlikowski

Blick zum Hafen Foto (c) C:Kerlikowski

Nachdem wir den Rundgang auf der Burg sehr genossen hatten, kam uns das Angebot des alten Herrn wieder in den Sinn. Man könnte ja doch mal gucken, ob er uns einen Thè Menthe oder einen frisch gepressten Orangensaft vermitteln kann.

Sichtlich erfreut über seine zwei Gäste führte er uns zielgerichtet durch die Hecken zu einem Haus, seinem Wohnhaus. Fast durchs Wohnzimmer, auf den Innenhof, die Treppe hoch und … bääämmm!!! Eine kleine Dachterrasse mit 3 oder 4 Tischen und dem wirklich schönsten Ausblick auf das Mittelmeer, den man sich vorstellen kann. Wir bestellten unsere Getränke und gaben uns mit allen Sinnen der unglaublichen Stille und Schönheit der Landschaft hin. Der Reiseführer hatte einen echten Insider-Tipp preisgegeben.

Die Dachterrasse Foro (c) C.Kerlikowski

Die Dachterrasse Foro (c) C.Kerlikowski

Die Aussicht Foto (c) C.Kerlikowski

Die Aussicht Foto (c) C.Kerlikowski

Irgendwann mussten wir uns loseisen, wenn wir noch nach Cap Bon weiter wollten. Schweren Herzens verließen wir das Café und trabten den Berg hinunter und mir grauste etwas vor dem Gedanken, wieder auf eine Louage warten zu müssen. Zum einen hatte ich keine Lust auf einen Fußmarsch, zum anderen wurde es langsam Nachmittag und irgendwo in der tunesischen Einöde hängenbleiben wollte ich auch nicht. Zielsicher marschierte Jenny los in (die gefühlte) richtige Richtung. Sie meinte, es würde sicher ein Taxi kommen, das uns mitnimmt. Na gut…

Es ist unglaublich, aber wir mussten wirklich nicht lange warten. Das Taxi hielt, wir kauderwelschten unser Ziel und der Fahrer nannte einen so geringen Preis, dass wir zweifelten,ob er unsere Angabe wirklich verstanden hatte. Sicher ist sicher, dachte ich mir und zeigte ihm den Ort in meinem Reiseführer. Der Fahrer nickte und kassierte von jedem 850 Millimes, also ca. 40 Cent und düste los.

Wenig später wurde uns klar, in was für ein Taxi wir gestiegen waren – in ein Sammeltaxi! Kein Problem: ein Pärchen stieg zu, das wenigstens englisch konnte – so erklärte uns der Fahrer, dass er nicht bis Cap Bon fahren würde, uns aber ein anderes Taxi vermitteln könne. Das tat er auch. Wir wurden umgeladen, das Pärchen entschwand mit dem Fahrer und wir stíegen zu einem älteren Ehepaar ins Taxi. Wieder 850 Millimes pro Person bezahlt und weiter ging es!

In El Haouria stieg das Ehepaar aus und der Fahrer bedeutete uns, dass wir am Ziel angekommen seien. Leicht irritiert berieten wir uns, denn es sah hier nun wirklich weder nach einer malerischen Küste noch nach den Punischen Steinbrüchen aus. Der Fahrer bekam das mit und fragte „La grotte“? Jaja, da wollten wir hin! Für ein paar Dinar würde  er uns hinbringen – also los! Unterwegs kamen mir Zweifel, ob wir auch wirklich zu annehmbarer Zeit zurück nach Nabeul kommen würden.

Ich wollte echt kein Risiko eingehen und war mir nicht sicher, ob wir in dieser Einöde eine Louage erwischen würden. Nach kurzer interner Diskussion fragten wir den Fahrer, ob er uns auch zurück nach Nabeul fahren würde. Mit dem Preis von 60 Dinar (ca. 27€) waren beide Seiten glücklich. Wahrscheinlich konnte seine Familie von dem Geld ein oder zwei Wochen ernähren..

Wir hatten den nettesten Reiseführer, den man sich denken kann: er half uns über Holpersteine, nannte die Namen der umliegenden Inseln und verhandelte mit dem Wärter vor Ort, ob es nicht doch eine Möglichkeit gäbe, die Steinbrüche zu besuchen. Leider erfolglos wegen Einsturzgefahr, aber egal, er tat sein Bestes. Wir fotografierten und staunten, er saß ruhig auf einem Stein, rauchte eine Zigarette und wartete geduldig bis wir genug hatten von so viel Schönheit.

Ja, das ist es, was einem Land und Leute näher bringt und außerdem immer wieder klar macht, dass wir Menschen überall auf der Welt mit dem gleichen Wasser kochen… Ich mag das. Sicher gehe ich keine umkalkulierbaren Risiken ein, aber für mich gehört es einfach dazu, sich auf solche kleinen Abenteuer einzulassen. Da hat man als Oma im Schaukelstuhl den Enkeln doch was zu erzählen!

Hier nun einige Impressionen vom Cap Bon:

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Cap Bon Foto (c) C.Kerlikowski

Foto (c) C.Kerlikowski

Ein malerischer Ort, vergessen von der Welt – und vielleicht ist das auch gut so?

Nach einer Stunde waren wir müde vom Schauen und vom Herumlaufen. Unser Fahrer lud uns in sein Taxi und startete Richtung Nabeul. Irgendwann unterwegs hielt er am Straßenrand und stieg aus. Was jetzt?? Wahrscheinlich wollte er uns für den gezahlten Preis keine zusteigenden Fahrgäste zumuten. So wickelte er kurzerhand einen Lappen um das Taxi-Schild auf dem Dach und fuhrt weiter. So unkompliziert ist das manchmal.

Die Fahrt dauerte ziemlich lange. Auf der Hinfahrt war uns das gar nicht so bewusst. Wir genossen sie und waren froh, nicht in einer Louage zu sitzen. Jenny meinte nur: „Je länger die Fahrt dauert, desto mehr hab ich ein schlechtes Gewissen, was den Preis betrifft.“ Stimmt, aber ich glaube, unser Fahrer hatte Spaß an dieser außergewöhnlichen Fahrt, auch wenn die Kommunikation aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse auf beiden Seiten etwas dürftig war. Doch wie man sieht, es geht trotzdem…

(Aufenthalt 2012)

 

 

 

 

 

Einmal Couscous bitte!

Schüsseln, Schalen, Platten - Gebrauchskeramik auf Djerba

Schüsseln, Schalen, Platten – Gebrauchskeramik auf Djerba

Vor einigen Jahren war ich aus beruflichen Gründen mehrfach in Nordafrika, insbesondere in Tunesien. In einem Urlauberclub der gehobenen Kategorie habe ich für eine Kollegin übergangsweise einen Art-Shop betreut, neue Mitarbeiter eingearbeitet bzw. kurze Urlaubszeiten überbrückt.

So ein Club hat es an sich, dass es dort jeden Tag die tollsten Sachen zu essen gibt, die ich zu Hause nie kochen würde. Die Auswahl ist riesig, das Ambiente sehr angenehm: es hat schon was, Im Februar/März zum Frühstück oder Mittagessen draußen zu sitzen, während in Deutschland 2011 ein wahrer Jahrhundertwinter mit Bergen von Schnee die Leute beinahe zur Verzweiflung trieb.

Zu dieser Zeit war ich für 4 Wochen auf Djerba und arbeitete eine neue Mitarbeiterin ein. Dagmar kante sich auf der Insel durch viele private Besuche super aus und kannte Land und Leute sehr gut.

Und so sinnierten wir des öfteren über das „echte Tunesien“ und mäkelten doch tatsächlich am Club-Essen herum. Nach zwei Wochen Luxus-Buffet sehnt man sich doch nach etwas schlichterer Nahrung – eine Scheibe Brot, ein deftiger Eintopf, Eier mit Senfsoße… So kamen wir auch im Gespräch auf den Unterschied zwischen den im Club angebotenen „tunesischen“ Gerichten und den echten Speisen vor Ort.

Spontan entschieden wir uns, in der nächsten Mittagspause mal eben mit dem Taxi (für ca. 2 €)  für echten Couscous in den nächsten Ort zu fahren. Wir liefen also von Imbissbude zu Imbissbude, immer mit der Frage „Couscous ?“ Obwohl wir mehr oder weniger erfolgreich versuchten die arabische Sprache zu erlernen, reichte das natürlich nicht für eine komplette Frage – und in so kleinen Lädchen der Einheimischen ist es nicht zwingend normal, dass die Leute Englisch oder Französisch beherrschen. Nun gut, Dagmar immer vorneweg, ihre Frage wurde verstanden und wir wurden freundlich weiter verwiesen.

Keramik-Werkstatt auf Djerba

Keramik-Werkstatt

Fundstücke aus Djerba

Fundstücke aus Djerba

Nach 10 Minuten fand sich dann ein winziges Imbiss-Büdchen mit 3 Tischen, einem kleinen Tresen und einem super Couscous-Angebot. Mit „Händen und Füßen“ bestellte jeder eine Portion Couscous mit Hühnchen – und was dann für ca. 2,50 € (pro Portion) auf den Tisch kam, hätte wohl in Deutschland eine halbe Familie satt gemacht.

Serviert in einer schönen Keramikschale, thronte auf einem Berg des traditionellen Gries-Gerichtes ein halbes (!!) Huhn! Nun gut, wir schworen uns, das Abendessen, aber vor allem das Dessert-Buffet weiträumig zu umgehen und genossen das wahrhaft köstliche Gericht. Selbst für mich nordisches Weichei war die Schärfe gut auszuhalten.

Gewürzt wird reichhaltig und ein Hauptbestandteil ist Harissaeine Paprikapaste, die höllisch scharf ist, jedenfalls für mich. Es gibt sie super scharf oder etwas milder und fruchtiger. Hausgemachtes ist wesentlich schmackhafter als das in Büchsen. Wer also die Möglichkeit hat, vor Ort eine gute Portion frischer Paste zu erwerben, sollte das unbedingt tun. Auch wenn man sie in einer Plastik-Tüte überreicht bekommt, was für unsere Verhältnisse gewöhnungsbedürftig ist. Das Zeug ist so scharf, da halten sich keine Keime. Also nur Mut für den Einkauf! Zu Hause sollte man die Paste in ein gut schließendes Behältnis füllen, mit einer Schicht Olivenöl abdecken und im Kühlschrank aufbewahren (nach der Entnahme wieder mit Öl abdecken!). So hält es Monate frisch!

Aber zurück zum Couscous:

Wir aßen den Couscous mit dem Löffel und das Huhn mit den Fingern und hatten eine Menge Spaß dabei. Der Inhaber des Bistros schaute zwar etwas verwundert, warum zwei deutsche Frauen über Mittag bei ihm einkehren, aber er hat sich auch sichtlich gefreut.

Ich höre beinahe die bange Frage des Lesers/der Leserin, wie wir so unbeschwert fremdes Essen außerhalb genießen konnten – die Frage nach Hygiene und gesundheitlichen Risiken ist ja für viele ein Thema. Nun ja, ich denke, man sollte schon vorsichtig sein und u.a. kein unabgekochtes Wasser trinken und Erfrischungsgetränke nur aus ungeöffneten Flaschen zu sich nehmen. Aber ehrlich gesagt, denke ich beim ESSEN UNTERWEGS selten an Spätfolgen. Mein „norddeutscher Bauernmagen“ hält viel aus und gibt so schnell nichts wieder her. Außer etwas Magengrummeln ist noch nie etwas im Ausland gewesen – aber in Deutschland hab ich schon 5 Tage flachgelegen mit einem Rota-Virus. Und vor Salmonellen-Vergiftungen ist man auch in Deutschland nicht sicher.

Auf einer späteren Reise fanden wir bei einem Händler in Houmt Souk frische Maulbeeren – die haben wir natürlich gekauft und auf unserem weiteren Weg vernascht. Selbst da blieben wir frei von Spätfolgen. Auch im Ausland setzt man auf Frische und serviert die Speisen gut durchgegart.

Meine Empfehlung – einfach mal ausprobieren. Und wer sich mit Speisen außer Haus nicht traut – einen echten arabischen Mokka oder frischen arabischen Thè menthè sollte man unbedingt probieren – das ist aufgekocht und ganz bestimmt ohne Reue zu genießen…

Ach ja… da wir ganz spontan mal kurz losgezogen sind, war meine Kamera nicht mit dabei und ein Smartphone hatte ich damals auch noch nicht. Also muss ich Fotos leider schuldig bleiben….