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Herr Ribbeck von Ribbeck im Havelland…


Wohl jeder hat schon einmal Fontanes Gedicht gehört oder gelesen. Es geht um einen Gutsherrn, Nächstenliebe, Habgier und um einen.. Birnbaum. Doch wer weiß schon, dass dahinter eine wahre Geschichte und ein tatsächlich existierender Ort bestehen?

Ribbeck

Das Gedicht von Theodor Fontane

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

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Islands Weihnachtsgesellen

Dass das raue, dünn besiedelte und ursprüngliche Island seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte hat, liegt beinahe auf der Hand. Zum einen war es sicher der Mangel an materiellem Wohlstand, andererseits auch die klimatischen Bedingungen und Naturerscheinungen, die den Menschen Kraft und Durchhaltevermögen abverlangten und keine „großen Sprünge“  zu Weihnachten ermöglichten.

Troll-Paar in Reykjavik Foto (c) ReiseLeise

Troll-Paar in Reykjavik 

Auch bei uns gab es früher eher kleine, nützliche Gaben. Nur die Kinder wurden beschenkt und sowohl Weihnachtsbaum als auch der dicke Mann mit rotem Mantel und weißem Rauschebart sind Erfindungen der Neuzeit.

Die Strafe eines ausbleibenden Geschenks für „böse Kinder“ ist in vielen Traditionen vertreten – heute pädagogisch verurteilt, war es früher sicherlich eine gewisse Drohung, sich an die Regeln der Gesellschaft zu halten, wo es tatsächlich existenzielle Nöte gab und das Eingliedern in die familiäre und übergeordnete gesellschaftliche Struktur überlebenswichtig war. Alle mussten sich an der Schaffung und Erhaltung von Lebensgrundlagen beteiligen. Die Kinder leisteten ihren kleinen Beitrag dazu und wurden erzieherisch an diese Notwendigkeiten herangeführt. Das ist, glaube ich, der eigentliche Sinn von „Knecht Ruprecht“ und anderen einschüchternden Gesellen. Dass es später eine Methode wurde, Kinder tatsächlich einzuschüchtern und emotionale Gewalt auszuüben, ist möglicherweise erst ein Ergebnis späterer gesellschaftlicher Entwicklungen. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und zum Glück sind die Weihnachtsstrolche, wie sie auch immer heißen mögen, heute eher lustige Gesellen und gehören, losgelöst von früherer Bedeutung, einfach weiter dazu.

Nun aber zurück nach Island.

Hier gibt es nicht nur EINEN Weihnachtsmann, sondern gleich 13! Es sind knuffige Gesellen, die die Menschen ab dem 12. Dezember heimsuchen und mit ihren kleinen Rüpeleien so einiges erklären, was sich so in der Weihnachtszeit an wunderlichem ereignet: knallende Türen, verschwundene Leckereien, abgebrannte Kerzen, das Gefühl beobachtet zu werden usw. ab derm 25.12. geht dann jeden Tag einer der Gesellen wieder zurück, bis am 6. Januar wieder alle verschwunden sind.

Die Weihnachtsgesellen sind Kinder eines sehr seltsamen Paares – Grýla und Leppalúði – zwei Trollen aus dem Hochland.  Grýla ist eine einschüchterne mächtige Frau, unter deren Fuchtel ihr Mann nicht viel zu sagen hat. Ihr wird nachgesagt, unartige kleine Kinder zu fressen (das kennen wir doch aus „Händel und Gretel“) und auch ihre Katze Jólaköttur bewegt sich in diesem Sinne, indem sie faule Leute frisst. Hier zeigt sich der Kern, durch die „Androhung“ von Strafe die kleine, enge Gesellschaft in lebensfeindlichem Umgebung zusammenzuhalten.

Ihre Söhne aber, die sie ab dem 12. Dezember zu den Menschen schickt, nehmen das mit den Strafen nicht zu ernst. Sie bringen etwas Unordnung in das geregelte Winterleben und lassen kleine Geschenke zurück, in den Schuhen der Kinder. Wer nicht artig war, bekommt eine faule Kartoffel oder ein Stückchen Kohle – sicherlich kommt das heute faktisch kaum noch vor.

Hier die ruppigen Gesellen im Einzelnen:

Pferchpfosten, Schluchtenkobold, Knirps, Löffelschlecker, Topfauskratzer, Essnapf-Schlecker, Türknaller, Skyr-Giechlund (Skyr=leckerer Quark), Wurstdieb, Fensterglotzer, Türschlitzschnüffler, Fleischarmer, Kerzenschnorrer.

Sie alle verkürzen das Warten auf das Weihnachtsfest und sind in Island dann überall präsent. In Reykjavik fanden wir ein Geschäft, das das ganze Jahr über Weihnachtsartikel anbietet. Auch die Weihnachtsgesellen waren dort auf verschiedenen Waren zu sehen. Ganz besonders lange´tan hatte es mir ein schön illustriertes Kinderbuch, das es überall in verschiedenen Sprachen zu kaufen gab. In einer Tankstelle in Hvolsvöllur fand ich es dann auf deutsch – aber auch auf dem Flughafen in Keflavik hätte man es kaufen können. Eine lustige, sympathische Geschichte über Grýla und ihre abgefahrene Familie. Meine dreijährige Enkeltochter liebt sie!

Quelle: Brian Pilkington „Die Weihnachtsmänner“ – wie Isländer traditionell Weihnachten feiern
ISBN 978-9979-3352-4 Verlag Mal og Menning

In diesem Sinne: Gleðileg jól! – Frohe Weihnachten !

Hier gibt es noch einige kleine Filme zu Weihnachten und Winter in Island von Planet Schule:

http://www.planet-schule.de/sf/filme-online.php?film=8889

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