Nachts in den Vatikanischen Museen (c) Reise Leise

Nachts ins Museum – der Vatikan


Wie ich schon in meinem ersten Beitrag über die Vatikanischen Museen geschrieben habe, ist der Besuch dieses gigantischen Museums ein MUSS für Rom-BesucherInnen und Kunst-Interessierte. Und damals erwähnte ich auch, dass es teilweise auf Grund der Besucherzahlen schwierig war die großartigen Schätze, insbesondere die Sixtinische Kapelle, in Ruhe zu besichtigen.

Hier geht es nun also um die Nachtführung, die ich mir im Oktober 2016 im wahrsten Sinne des Wortes gegönnt habe!

Die Vielfalt der Möglichkeiten

Es gibt einige verschiedene Angebote, um die Vatikanischen Museen außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu besuchen. Ob ganz individuell oder in Gruppen – das ist eine Frage des eigenen Anspruchs und natürlich auch des Preises.
Die Führungen werden sowohl vom Vatikan selbst als auch von diversen Agenturen angeboten – hier lohnt sich ein Preis- und Leistungsvergleich. Im Folgenden gehe ich auf die Abendführungen ein.

Ganz allgemein

Die Führungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten lohnen sich für BesucherInnen, die bereit sind, für dieses besondere Erlebnis tief in die Tasche zu greifen. Ein Schnäppchen ist es nicht.
Und auch wenn die Bezeichnung „Nachführung“ oder „Führung außerhalb der Öffnungszeiten“ suggeriert, dass nur geringer Besucherandrang herrscht, so ist das nicht ganz korrekt. Die Vatikanischen Museen sind VOLL und zu normalen Öffnungszeiten schiebt sich die Masse von Raum zu Raum.
Der Besucherstrom am Abend ist vergleichbar mit dem in einem deutschen Museum an einem Dienstag Nachmittag. Also auf keinen Fall leer, aber doch viel angenehmer.

Besucherandrang um die Mittagszeit (c) Reise Leise

Besucherandrang um die Mittagszeit (c) Reise Leise

Der Besucherstrom am Abend (c) Reise Leise

Der Besucherstrom am Abend (c) Reise Leise

Unbeschreiblich ist allerdings der Eindruck der Außenanlage unter dem nächtlichen Himmel:

Nachts im Vatikan (c) Reise Leise

Nachts im Vatikan (c) Reise Leise

Nachts im Vatikan (c) Reise Leise

Nachts im Vatikan (c) Reise Leise

Individueller Besuch mit FührerIn

Man kann diesen Besuch in verschiedenen Varianten erleben. Das hängt vom Veranstalter und vom gesetzten persönlichen Budget ab.

Auf der Webseite der Vatikanischen Museen gibt z.B.es das Angebot einer „Außerplanmäßige Führung halbprivat“, die aber auf Grund des exorbitanten Preises nur für organisierte Gruppen gedacht zu sein scheint, und eine Außerplanmäßige” Führung privat  (Preis auf Anfrage). Das habe ich nicht ausprobiert.

Auf der Webseite von Roma Mirabilia sind ebenfalls private Abendführungen erwähnt, jedoch konnte ich keine Preise finden.

Ich habe meine Führung über „Rome Museum“ gebucht. Hier waren Führungen immer freitags um 19:00 – 20:00 – 20:30 Uhr (Startzeit) möglich und die Berechnung des Preises sehr einfach. Dadurch ist man sofort im Bilde, ob man sich diesen Luxus leisten will.

Der Grundpreis beträgt hier 210€, hinzu kommen 30€ pro Person. Da wir zu zweit waren, kamen wir auf einen Preis pro Person von 135€. Ist die Gruppe größer, verringert sich natürlich auch der anteilige Preis. Für 4 Erwachsenen sind es „nur noch“ 85€/Person. Kinder erhalten eine Ermäßigung von 8€.  (Alle Angaben ohne Gewähr!)

Diese individuellen Touren muss man online, und möglichst schon lange im Voraus, buchen und sofort bezahlen. Dann erhält man eine Buchungsbestätigung und einige Wochen vor Beginn de Führung dann auch den Voucher, den man dann dem Führer/der Führerin aushändigt. Das hat in unserem Falle alles sehr gut geklappt.

Warteschlangen am Tage (c) Reise Leise

Warteschlangen am Tage (c) Reise Leise

Der Alte Eingang zu den Museen (c) Reise Leise

Der Alte Eingang zu den Museen (c) Reise Leise

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Abend in Vatikanstadt

 Weitere Besuchsideen

Darüber hinaus werden vom Vatikan selbst noch weitere individuelle Angebote außerhalb der Öffnungszeiten offeriert (Stand 2017):

– April bis Oktober: Lange Nacht der Museen, immer freitags
– Museumsbesuch mit Frühstück oder mit „Happy Hour“

Eine Gesamtübersicht über sämtliche Angebote, auch während der regulären Öffnungszeiten, finden Sie hier.
Italienische Freunde raten von den Tagen mit freiem Eintritt ab – die Museen sind dann hoffnungslos überfüllt bzw. die Warteschlangen unerträglich lang.

Mein Besuch

Treffpunkt

Auf unserem Voucher war der Treffpunkt gut beschrieben angegeben, so dass es nicht schwierig war ihn zu finden. Hier warteten wir dann geduldig, denn als typisch deutsche Touristen waren wir mal wieder vor der Zeit zur Stelle.
Pünktlich  zu 19 Uhr erschien unsere Begleiterin, die sich vorstellte und dabei mit  fast akzentfreiem Deutsch brillierte. Sie führte uns ins Eingangsgebäude und erledigte flott die Formalitäten und wir konnten uns in der Zwischenzeit etwas umschauen.

Ich war schon ziemlich gespannt, denn da ich mich seit meiner frühen Jugend für Kunstgeschichte, Architektur und Archäologie interessiere, war dieser Besuch etwas ganz besonderes für mich und das Geld allemal Wert.

Der Rundgang

Wir begannen den Rundgang in Hof der Vatikanischen Museen. Das war schon ein magischer Moment – den Petersdom so zu sehen: recht nah und durch die Beleuchtung der Kuppel sehr imposant anzuschauen! Irgendwie wirkte das Areal auch ruhiger, entspannter, der Historie angemessener als am Tage, wo die Museen einem großen Bienenkorb ähneln, wo ständig hunderte Besucher umherschwirren, palavern und eine permanente Geräuschkulisse erzeugen.  Schon dafür hat es sich gelohnt, diese Führung zu buchen.

Nachts in den Vatikanischen Museen (c) Reise Leise

Nachts in den Vatikanischen Museen (c) Reise Leise

Betriebsamkeit am Tage (c) Reise Leise

Betriebsamkeit am Tage (c) Reise Leise

Im Hof fanden wir Platz auf einer Bank und erhielten dann von unserer Führerin eine Einführung in die Geschichte des Vatikans und seiner Kunstsammlungen. Auch wenn die offizielle Marschrichtung der Kirche Themen wie Altertum, fremde Götter, nackte Körper und Sünden aller Art und somit  viele Aspekte des menschlichen Lebens über die Jahrhunderte sehr einseitig bis radikal betrachtete, haben sich die Päpste doch immer als große Kunstliebhaber und Sammler verstanden und so auch Schätze bewahrt, die nicht unbedingt den damaligen  Moral- und Lebensvorschriften entsprachen.

Hier finden wir nun alles und es nimmt einem schon den Atem, das alles zu sehen.

Wir konnten Fragen stellen und auch angeben, was uns ganz besonders interessierte. An erster Stelle standen bei mir die Statuen des klassischen Altertums: Laokoon-Gruppe, Apoll von Belvedere, die Büste des Perikles oder der Diskuswerfer – alles Berühmtheiten, die ich schon aus meinem Geschichtsbuch in der Schule kannte. Ja, und natürlich auch die Sixtinische Kapelle.

Gerade letztere hatte ich bei meinem Besuch im Vorjahr aufgrund der Menschenmassen in diesem Raum viel zu wenig anschauen können und letztendlich war das der Hauptgrund, warum ich in diesem Jahr eine individuelle Führung gebucht hatte. Zeit haben für die Sixtina!

Und damit begann dann unser Rundgang durch die Museen. Ich zeige an dieser Stelle ein paar Fotos von meinem ersten Besuch – ich wollte mich bei dieser besonderen Führung doch ganz auf die Kunst konzentrieren.

Cortile di Belvedere

Cortile di Belvedere

Laokoon-Gruppe

Laokoon-Gruppe

Salla della Biga

Salla della Biga

Prunkvolle Deckengemälde

Prunkvolle Deckengemälde

Holzdecke in den Borgia-Räumen

Holzdecke in den Borgia-Räumen

Prunkvolle Deckengemälde

Prunkvolle Deckengemälde

Interessanterweise nahm ich nun die Ausstellungsstücke ganz anders wahr. Vielleicht lag es an dem anderen Licht oder an den verhältnismäßig wenig Besuchern, aber vielleicht auch an unserer fachkundigen und engagierten Begleiterin. Sie hielt sich zwar an unsere vorgegebenen Hauptziele und gab zu diesen viele interessante Informationen. Doch es gelang ihr auch, uns für die versteckten kleinen Dinge zu sensibilisieren, an denen man oft achtlos vorbeigeht.

Nach und nach kamen wir ein angeregtes Gespräch und die Zeit verging wie im Fluge.

Viel Zeit nahm sie sich für die ausführliche Erläuterung der Sixtinischen Kapelle. Dieser, berühmteste, Raum des Vatikans ist immer noch ein kirchliches, aktiv genutztes Gebäudeteil, weshalb das Sprechen und lautere Geräusche dort nicht gestattet sind. Ich erinnerte mich noch gut an das ständige „Silenzio“ bzw. „Silence please“ im Vorjahr, das die Atmosphäre noch zusätzlich störte.
Also bekamen wir zunächst einen Rundgang der besonderen Art, indem die Führerin mit Hilfe eines Bildbandes sowohl Michelangelos Werk, aber auch die Fresken anderer Künstler (Perugino, BotticelliDomenico Ghirlandaio u.a.) erklärte. Wir konnten Fragen stellen und geduldig beantwortete unsere Expertin alles.

So wurden wir auf viele Details in den Malereien  hingewiesen, die wir dann später gezielt suchen konnten. In der Vielfalt der Motive wären uns die sicher untergegangen.

Eintrittskarte

Eintrittskarte

Leider und aus verständlichen Gründen ist es nicht gestattet, in der Sixtinischen Kapelle zu fotografieren. Deshalb muss ich Bilder schuldig bleiben, aber eigentlich kennt auch fast jeder die berühmten Gemälde.

Es gibt auch viele schöne Bücher und Bildbände über dieses Prachtwerk der Renaissance, aber man findet im Internet auch virtuelle Rundgänge durch die Sixtinische Kapelle. Das ersetzt zwar nicht den eigenen Eindruck, gibt aber doch einen schönen Einblick und zeigt letzten Endes auch Details, die vor Ort und von unten gesehen, einfach zu klein erscheinen.

Die Sixtinische Kapelle

Die Sixtina ist sicherlich eine Kapelle der Superlative. 40,9 Meter lang, 13,4 Meter breit und 20,7 Meter hoch – das sind schon Ausmaße einer mittleren Kirche!  Sie ist entspricht den Proportionen des Salomonischen Tempels und ist sowohl an der Decke als auch an den Seitenwänden mit Fresken ausgemalt.

Am bekanntesten sind die Deckengemälde Michelangelos, die auf 520 Quadratmetern Szenen aus der Genesis abbilden. Jeder kennt die Erschaffung Adams und die berühmte Berührung der Fingerspitzen zur Erweckung Adams. Zeitlos durch die Jahrhunderte.

Fast genauso bekannt ist „Das Jüngste Gericht“ – schon zu Lebzeiten Michelangelos ob der nackten Leiber kontrovers diskutiert und später an den pikanten Stellen mit wohlwollend verhüllenden Übermalungen versehen. Merke also: ein Teil der gemalten Tücher gehört da eigentlich nicht hin. Beeindruckend bleibt die Szenerie unbedingt. (Ein Freund hat mir ein riesiges Puzzle geschenkt mit eben diesem Motiv. Bis heute bin ich schon wegen der Größe und der Menge der verschiedenen Figuren gescheitert. Aber ich gebe noch nicht auf!).

An den Seitenwänden finden sich Szenen aus dem Leben von Jesus und Mose, gemalt von einigen der bekanntesten Künstler der Renaissance. Das ist schon eine Gemäldegalerie in sich.

Wie erwartet und erhofft, hatten wir nun richtig viel Zeit, um die Sixtinische Kapelle ausgiebig zu bestaunen. Dafür hat sich das Geld wirklich gelohnt. Es waren zwar noch etliche andere BesucherInnen mit uns, aber es war überhaupt kein Vergleich zu dem Besuchersturm an den normalen Öffnungszeiten, wo man Schulter an Schulter mit gefühlt 1000 anderen Menschen vorwärts geschoben wurde. So ist mir z.B: ein Jahr vorher das „Jüngste Gericht“ fast entgangen, da ich mit dem Rücken zu diesem Bild in die Kapelle kam un das Fresko hinter mir war. Stehen bleiben und umdrehen war fast unmöglich.

Ja, was soll man sagen zu so viel Schönheit und farblicher Pracht. Eigentlich fehlen mir bis heute die Worte um genauer zu beschreiben, was die Faszination dieses Raumes ausmacht. Ist es die unglaublich schöne Kunst an den Wänden oder die geschichtsträchtige Atmosphäre? Hier werden bis in die heutige Zeit die Päpste gewählt, wurde Politik gemacht.

Fazit

Dieses ganz besondere Angebot einer individuellen Führung durch die Vatikanischen Museen außerhalb der Öffnungszeiten lohnt sich für alle, die einen entspannteren und intensiveren Blick in die Sammlungen werfen wollen. Hier gibt es noch so viel mehr zu sehen und das kann man je nach den eigenen Prioritäten in Ruhe entdeckten. Die allgemeine Route ist zwar vorgegeben, aber WO Sie dann Ihren Schwerpunkt setzen und sich genauer informieren lassen, dass bleibt Ihnen überlassen. Natürlich kann man sich von den erfahrenen FührerInnen auch einfach leiten lassen.

Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit für Menschen, die in beengten Räumen oder mit großen Menschenmassen Probleme haben. Garantieren kann das zwar niemand, aber es ist doch einen Versuch Wert….

Ach ja, die Tour dauert ca. 3 Stunden, man kann danach aber noch allein weiter durch die Räume wandeln… (Bis das Museum dann um 23 Uhr endgültig schließt).

Zum Abschluss

Wie kann man den Abend abschließen, der so viele Eindrücke hinterlassen hat? Am besten vielleicht, indem man in eins der Restaurants oder in eine Bar einkehrt oder auf einer Terrasse bei einem Glas Wein den Tag ausklingen lässt. Im Gespräch über die Eindrücke, über Kunst und Kirche, über Gott und die Welt ?

Petersplatz (c) Reise Leise

Petersplatz (c) Reise Leise

(c) Reise Leise

(c) Reise Leise

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