Im Dachgeschoß der Brauerei

Auf den Spuren flämischer Biere


Belgien ist DAS Land der Biere. Wohl in kaum einem anderen Land gibt es noch einmal über 1000 Biersorten. In einem früheren Beitrag habe ich schon einmal die Geschichte und die Vielfalt der Belgischen Biere beschrieben.

Nun sollen Sie lesen, wie man auf einer Tour durch Flandern gezielt auch Orte ansteuern kann, wo es die Belgische Biertradition in ihrer schönsten Form zu erleben gibt…

Brauereien

Das Land verfügt über eine Vielzahl von Brauereien – von großen Industrieanlagen über Familienbrauereien bis hin zu kleinen Betrieben, die nur das eigene Dorf beliefern.

Auf meinen Fahrten nach Flandern fiel mir ein großes Lagerhaus mit markanter Aufschrift auf, nur zeigte die nahe Ampel immer auf grün, aber 2017 war mir der Zufall gnädig und ich konnte während einer Rotphase eine Aufnahme machen:

Duvel

„ssst… hier reift der Teufel“ Foto (c) Reise Leise

Trappistenbrauereien

Trappistenbiere sind eine Besonderheit. Sie werden in Klöstern hergestellt und dürfen nur so genannt werden, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen:

  • Die Brauerei muss innerhalb der Mauern eines aktiv betriebenen Klosters liegen
  • Der Produktionsprozess muss von Mönchen/ Nonnen überwacht und organisiert werden
  • Die Einnahmen aus dem Bierverkauf gehen überwiegend an soziale Projekte.

 

Achel

Achel

Der Alkoholgehalt der Trappistenbiere ist ziemlich hoch und liegt zwischen 6 und 12 Prozent.

In Belgien gibt es sechs Trappistenbrauereien: Achel, Orval, Chimay, Rochefort, Westmalle und Westvleteren. Keine dieser Brauereien ist der Öffentlichkeit zugänglich.

Wer also eine Trappistenbrauerei erleben möchte, muss einen Zwischenstopp in den Niederlanden einlegen, wo man in der Nähe von Tilburg die Brauerei „La Trappe“ besichtigen kann.

Im Trappistenkloster Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven in Berkel-Enschot hat man sich darauf eingerichtet, interessierten Besuchern den Brauprozess anschaulich darzustellen und natürlich auch das Ergebnis zu verkosten. Auf der Webseite kann man sich vorab informieren und auch Touren buchen.

„La Trappe“

Das Kloster ist nicht leicht zu finden. Mein Navi zeigte für den Eindhovenseweg 3 in Berkel-Enschot nur ein Ergebnis in der Umgebung. Schilder fanden wir erst dicht am Ziel. Auf der Webseite gibt es eine Routenbeschreibung, die man sich besser vorher ausdruckt. Oder man orientiert sich an den markanten Kirchtürmen.

Ist das Ziel aber erst einmal erreicht, gibt es genügend Hinweise auf die Brauerei.

Brauerei La Trappe (c) Reise Leise

Brauerei La Trappe (c) Reise Leise

Brauerei La Trappe (c) Reise Leise

Brauerei La Trappe (c) Reise Leise

Führungen werden in verschiedenen Sprachen angeboten, jedoch kann es sein, dass bei wenigen Besuchern auch ein Handout in Deutsch ausgegeben wird. Englische Führungen zu bekommen, ist aber kein Problem.

Eine Führung kostet pro Person zwischen 12€ (1,5h Führung mit Verkostung 1 Bier) und 29,50€ (Führung mit Verkostung: 4 Probegläser und traditioneller Snack). Einzelheiten sind auf der Webseite zu erfahren. Für die Verkostung mehrerer Biere sollte man allerdings eine Unterkunft in der Nähe gebucht haben – denn Trappistenbiere haben es in sich!

Der Rundgang durch die Klosterbrauerei wird von erfahrenen und sachkundigen Führern interessant und anschaulich gestaltet.

Brauerei "La Trappe" Foto (c) Reise Leise

Brauerei „La Trappe“ Foto (c) Reise Leise

Brauerei "La Trappe" Foto (c) Reise Leise

Brauerei „La Trappe“ Foto (c) Reise Leise

Brauerei "La Trappe" Foto (c) Reise Leise

Brauerei „La Trappe“ Foto (c) Reise Leise

Brauerei "La Trappe" Foto (c) Reise Leise

Brauerei „La Trappe“ Foto (c) Reise Leise

Brauerei "La Trappe" Foto (c) Reise Leise

Brauerei „La Trappe“ Foto (c) Reise Leise

Bäckerei "La Trappe" Foto (c) Reise Leise

Bäckerei „La Trappe“ Foto (c) Reise Leise

Feuerwehr "La Trappe" Foto (c) Reise Leise

Feuerwehr „La Trappe“ Foto (c) Reise Leise

Abfüllanlage Foto (c) Reise Leise

Abfüllanlage Foto (c) Reise Leise

Traditionen und Moderne gehen hier Hand in Hand. Natürlich wird auf effiziente und ressourcenschonende Produktion genauso geachtet wie in einem „normalen“ Betrieb. Stolz präsentierte man uns die Solaranlage.

Auch in der Bäckerei und der Käserei werden moderne Standards eingehalten und die Ergebnisse der hauseigenen Produktion kann man im angeschlossenen Laden erwerben – das sollte man auch tun, denn sowohl  der Käse als auch das Brot sind ebenso lecker wie das Bier.

Nach dem Rundgang kann man im „Proeflokaal“ einen Film zum Klosterleben anschauen und dabei ein frisch Gezapftes nach Wahl genießen:

  • La Trappe puur (4,7%)
  • La Trappe Witte Trappist (5,5%)
  • La Trappe blond (6,5%)
  • La Trappe Dubbel (7%)
  • La Trappe Bockbier (7%)
  • La Trappe Isid’or (7,5%)
  • La Trappe Triple (8%)
  • La Trappe Quadrupel (10%)
  • La Trappe Quadrupel oak aged (12%).

Nun aber zurück nach Belgien, denn hier gibt es u.a. eine familiengeführte Brauerei mitten im Stadtzentrum von Brügge, deren Besuch sich lohnt.

„De Halve Maan“

Nahe am Beginenhof befindet sich am Walplein 26 die Familienbrauerei „De Halve Maan“ („Der Halbmond“). Das seit 1856 bestehende und nun bereits in der 6. Generation geführte Unternehmen verbindet Tradition und Moderne in ausgewogener Weise zu einem bis heute erfolgreichen Betrieb.

Brauerei "De Halve Maan" - Brügge

Brauerei „De Halve Maan“ – Brügge

Sechs Generationen Brauereitradition

Sechs Generationen Brauereitradition

Hier sollte man sich am besten eine Führung in englischer Sprache reservieren, denn das Besucheraufkommen ist sehr hoch und die Führungen schnell ausgebucht. Über die Webseite der Brauerei und in Zeiten von Tablet und Smartphone, auch von unterwegs für Kurzentschlossene, ist das aber kein Problem.

Für den Besuch ist zu beachten, dass der Rundgang teilweise über sehr steile Treppen bis unter das Dach geht – also nichts für Leute mit Handicap oder Höhenangst. Belohnung für den sportlichen Einsatz ist ein herrlicher Blick über die Dächer der Stadt:

Stündliche Führungen in mehreren Sprachen

Stündliche Führungen

Ein ernst zu nehmender Hinweis

Ein ernst zu nehmender Hinweis

Der freche Narr wird uns übrigens noch öfter in der Brauerei begegnen, aber dazu später mehr.

Der Brauereibetrieb findet noch immer in den alten Gebäuden statt, wobei natürlich heute moderne Braukessel aus Edelstahl die alten Kupferkessel ersetzen. Das alles passt aber immer noch in die historischen Mauern und beim Erklimmen der alten Treppen (bis zum Dach !!) kann man schon weiche Knie bekommen!

Diese Treppen sind noch harmlos Foto (c) Reise Leise

Diese Treppen sind noch harmlos

Blick in einen Braukessel Foto (c) Reise Leise

Blick in einen Braukessel Foto (c) Reise Leise

Mit dem Segen der Kirche...

Mit dem Segen der Kirche…

Alte Maschinen im Obergeschoß

Alte Maschinen im Obergeschoß

Unterm Dach - eine museale Sammlung

Unter dem Dach – eine museale Sammlung

Im Dachgeschoß der Brauerei

Im Dachgeschoß der Brauerei

Auf dem Dach der Brauerei - unbeschreiblicher Ausblick!

Auf dem Dach der Brauerei – unbeschreiblicher Ausblick!

Belohnung für die Kletterei ist dieser herrliche Ausblick über Brügge. Weit im Hintergrund erahnt man  die Abfüllanlagen. Und  da stellt sich dem staunenden Besucher die Frage, wie denn das Bier dorthin gelangt.

Früher fuhren große Lastwagen mehrmals täglich in die Stadt, um das Bier zur Abfüllung abzuholen. Immer schwieriger zu realisieren, wenn man sich die Besucherströme in der Stadt anschaut, ganz zu schweigen von den engen Gassen rund um den Walplein. Flamen sind jedoch kreative Menschen und so hat die Firma beschlossen eine Pipeline von der Brauerei zum Stadtrand zu verlegen und dieses u.a. mittels Crowd Funding realisiert. Nun raten Sie mal, worin der Dank für die finanzielle Unterstützung besteht! Natürlich in einem jährlichen Kontingent an Bier!

Was zunächst wie ein Aprilscherz klang ist inzwischen Realität:

Die Bier-Pipeline der Brauerei

Die Bier-Pipeline der Brauerei

Erfrischung im hauseigenen Lokal

Erfrischung im hauseigenen Lokal

Erfrischend ist nach dieser interessanten, aber auch anstrengenden Tour dann das im Preis enthaltene Bier. Hier wird ein Bier ausgeschenkt, das es nicht in Geschäften oder Lokalen zu kaufen gibt. Es ist ein naturtrübes Bier, das unbedingt probiert werden sollte. Sehr lecker!

Natürlich kann man die anderen Biere der Brauerei im Shop kaufen – in Geschenkpackungen, als 750ml-Version oder als Probierpacks.

Die Biere der Brauerei „De Halve Maan“ sind:

  • Brugse Zot blond (Brügger Narr, helles Bier) 6%
  • Brugse Zot Dubbel (dunkles Bier) 7,5%
  • Straffe Hendrik Tripel (Der Starke Hendrik,hell) 9%
  • Straffe Hendrik Quadrupel 11%

Nach so einem Rundgang sollte man sich in einem der zahllosen Lokale in Brügge von der Anstrengung und den Prozenten der doch recht starken Biere erholen. Natürlich kann man sich auch eine Grundlage schaffen für einen abendlichen Spaziergang und für die Einkehr in eine urige Kneipe, um dort noch einige andere der rund 1000 Biersorten zu probieren.

Lokale

Um es gleich vorweg zu nehmen – an Kneipen, Bars und Restaurants ist in Flandern nun wirklich kein Mangel. Eine große Auswahl an Bieren und qualitativ hochwertige Speisen bekommt man überall.

Hier ein paar Tipps:

Elfde Gebod (Das 11. Gebot) – Antwerpen

't Elfde Gebot, Antwerpen

‚t Elfde Gebot, Antwerpen

't Elfde Gebot, Antwerpen

‚t Elfde Gebot, Antwerpen

Antwerpen ist eine moderne Hafenstadt mit großem historischen Stadtkern und somit auch abends noch voller Leben. Die gemütliche Kneipe Het Elfde Gebod in der  Torfbrug 10 befindet sich links von der Kathedrale in einem Eckgebäude und ist kaum zu verfehlen. Über zwei Etagen ist beinahe jeder freie Fleck vollgestellt mit Aposteln, Marienfiguren und anderen sakralen Objekten. Gemäß Karte bedeutet das 11. Gebot „Du sollst mehr Bier trinken“ – und das kann man hier. Die Auswahl ist groß und es gibt zudem leckere Gerichte, so dass für den weiteren Biergenuss eine gewisse Grundlage geschaffen werden kann.

Zudem besteht u.U. die Chance, dort auch Live-Musik zu erleben.

't Elfde Gebot, Antwerpen

‚t Elfde Gebot, Antwerpen

't Elfde Gebot, Antwerpen

‚t Elfde Gebot, Antwerpen

't Elfde Gebot, Antwerpen

‚t Elfde Gebot, Antwerpen

't Elfde Gebot, Antwerpen

‚t Elfde Gebot, Antwerpen

Interessante Sehenswürdigkeiten in Antwerpen: 

  • Rubenshaus – Wohnhaus und Atelier von Peter Paul Rubens
  • MAS Museum aan de stroom – tolles kulturhistorisches Museum
  • Liebfrauenkathedrale – prachtvolle Kathedrale
  • Bahnhof Antwerpen Centraal – Jugendstil-Bahnhof
  • Marktplatz (Grote Markt) – Ensemble schöner Bauten
  • und sooo viel mehr!

Mein besonderer Tipp:  Der Vlaeykensgang – ein kleines Stück Mittelalter aus dem Jahr 1591. Davon aber ausführlicher in einem späteren Beitrag.

De Garre – Brügge

In dieser versteckten Kneipe in einem 600 Jahre alten Haus muss man unbedingt mal gewesen sein, auch wenn dieses winzige Lokal schwer zu finden ist, wenn man sich nicht auskennt.

De Garre“ befindet sich in der Gasse Garre 1 mitten im Zentrum von Brügge. Es ist ein kleiner Durchgang von der Breidelstraat aus. Als Orientierung kann man sich die Geschäfte „Le Belgique Gourmande“ (links vom Durchgang) und „Neuhaus“ (rechts) merken.

Schmaler Durchgang zur "Garre"

Schmaler Durchgang zur „Garre“

Versteckt: das Straßenschild

Versteckt: das Straßenschild

Der Eingang zur "Garre"

Der Eingang zur „Garre“

Und wieder steile, schmale Treppen

Und wieder steile, schmale Treppen

Einmal oben angelangt, spürt man die Jahrhunderte in den Gemäuern. Urig ist es hier und es handelt sich um ein reines Bier-Lokal. Zu essen gibt es höchstens etwas Brot, Käse und Salami. Dafür aber über 130 Biersorten. Man beschränkt sich auf das Wesentliche.

Der „Rausschmeißer“ zum Feierabend ist sehr besonders. In der „Garre“ wird klassische Musik gespielt und wenn Ravels „Bolero“ ertönt, ist es Zeit zu zahlen.

Brügge erscheint mit wie eine Museumsstadt und wenn abends die meisten Touristen wieder in ihren Hotels oder auf der Weiterreise sind, wird es ruhiger in der sonst stark bevölkerten Altstadt.

Sehenswürdigkeiten in Brügge:

Galgenhuis – Gent

t'Galgenhuis - kleinste Kneipe in Gent

t’Galgenhuis – kleinste Kneipe in Gent

Das „Galgenhaus“ rechts neben dem Vleeshuis ist die kleinste Kneipe von Gent – und sie ist wirklich klein. Vielleicht vier Tische drinnen, einige mehr draußen, wenn Saison ist.

Interessant: an der Außenwand sieht man noch die Ringe, an denen im Mittelalter Delinquenten angekettet waren.

Gouden Mandeke – Gent

Gouden Mandeke am Pensmarkt 9 ist ebenfalls eine gemütliche Kneipe inmitten der Altstadt von Gent. Altes Gemäuer, echte Typen und richtig schöne Kneipen-Athmosphäre. Es gibt, natürlich, eine große Auswahl an Bieren, die obligatorischen Käse- und Salami-Häppchen und Chips.

Ausreichend für eine kurze oder längere Einkehr auf ein kühles Bier und ein nettes Gespräch.

Gemütliche Kneipen-Athmosphäre

Gemütliche Kneipen-Athmosphäre

Die Treppe hinunter ins Gasthaus..

Die Treppe hinunter ins Gasthaus..

Sehenswürdigkeiten in Gent:

Gent ist eine Studentenstadt. Hier pulsiert das Leben noch bis spät in die Nacht. Live-Musik gehört dazu – einfach mal Augen und Ohren offen halten für die Überraschungen der Stadt am Abend!

Unterkünfte

Natürlich sollte man sich ein Zimmer buchen, wenn die Belgien-Reise auch dem Lieblingsgetränk der Belgier und der Deutschen gewidmet sein soll. Die Alkoholkontrollen sind hier streng und teuer!

Man findet über Booking-Agenturen durchaus preiswerte Angebote mitten im Zentrum, wenn man etwas flexibel ist und gut plant.

Folgende Hotels/B&B’s habe ich gebucht und war sehr zufrieden:

Antwerpen

  • Hotel Matelote, Haarstraat 11a, 200m vom Großen Markt entfernt, Parkhäuser in der Nähe vorhanden, ca. 90€ p.P. im Einzelzimmer (Stand März 2017), schöne Kombination aus historischem Gebäude und modernem Ambiente

Gent

  • Erasmus Hotel Poel 25, wenige Gehminuten von der Korenlei entfernt, Parkhaus: z.B. P7 Sint-Michiels, Sint-Michielsplein 8, ca. 70€ p.P. im Einzelzimmer (März 2017), Hotel in einem Patrizierhaus aus dem 16. Jh., nicht der große, perfekte Luxus – aber liebevoll gepflegt und geführt von der Familie des besitzers

Brügge

  • Hotel Het Koffieboontje, Hallestraat 4, direkt im Zentrum, unweit vom Marktplatz, Parkhäuser vorhanden, aber wegen der Umleitungen und dem großen Besucherandrang nur bedingt zu empfehlen (Alternative: Parkplatz hinter dem Bahnhof, Parkhaus am Bahnhof), ca. 67€ p.P. im Einzelzimmer (März 2017), gemütliche Zimmer, Frühstück im historischen Keller

 

 

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